Samtfuß-Krempling Tapinella atrotomentosa

Samtfuß-Krempling Tapinella atrotomentosa 

Pilzliteratur und anderes zur Gattung  Tapinella



Autoren der gezeigten Bücher sind Andreas Gminder, Ewald Gerhardt und José Agüeras.

Muschelkremplinge (Tapinella) im Online-Pilzbuch:
Tapinella atrotomentosa. Samtfußkrempling
Tapinella panuoides . Muschel-Krempling

Erst jetzt, jenseits der Fünfzig,
stellte es sich heraus, daß sie damals klug und weitsichtig gehandelt hatte,
als sie vor fast fünfzehn Jahren in Luxemburg ein Konto eröffnet hatte. Unter ihrem Mädchennamen Gundula Müller. Okay, aus dem G hatte sie ein C gemacht und auf dem ü hatte sie die Pünktchen vergessen.
Cundula Muller.
Heute wäre das nicht mehr so einfach, weil alle derartigen Aktionen von irgendwem mit Argusaugen überwacht wurden. Damals aber, in einer ihrer heftigsten Ehekrisen mit diesem übelsten aller möglichen Göttergatten hatte sie hin und her überlegt, was sie tun könnte, um der stupiden Ehehölle zu entfliehen.
Den Mut zu einem endgültigen Schritt hatte sie allerdings noch nicht gehabt.
Aber ein Konto auf der „BIL“, der Banque Internationale de Luxembourg, auf das sie Monat für Monat hundert Mark vom knapp bemessenen Haushaltsgeld einzahlte, das hatte sie irgendwie hingekriegt.
Klar, mit den Zinsen waren das gerade mal zwanzigtausend Mark geworden im Laufe der Jahre. Keine Summe, mit der man hätte große Sprünge machen können. Aber immerhin: sie waren auf dem Konto und sie, als Kundin oder als real existierendes Lebewesen war überhaupt einmal erfaßt im Konten-Mekka Luxemburg.
 Diese Tatsache hatte die weiteren Schritte doch sehr erleichtert. Zweifel plagten sie zeitweilig, ob die ganzen Volkshochschulkurse, die sie im Laufe der Jahre belegte, irgendeinen Sinn hatten. Sie hatte sich versucht in Töpfern und Weben, in Malerei und Kunstgeschichte, in Origami, Ikebana, Floristik, Yoga, und was sonst noch allem. Es war nichts dabei, das in irgend einer Weise die Freiheit versprach. Nicht mal das sprichwörtliche Jodeldiplom. Und dann, viel später und gerade so, als wäre nur die Wahl des richtigen Zeitpunktes der alles begrenzende und entscheidende Faktor, hatten sich all ihre Sorgen und Zweifel in Wohlgefallen aufgelöst.
Als sie nämlich vor vier Jahren einem Vortrag über einen weltberühmten, heute legal arbeitenden Bilderfälscher lauschte. Ebenfalls in der Volkshochschule, und zwar in der Leerlaufzeit zwischen „Töpfern ohne Ton“ und „Malen ohne Pinsel“. Von da an war alles ganz einfach. Sie arbeitete wie besessen. Stunde um Stunde, Tag und Nacht. Wann immer es ihr möglich war. Die allzeit bereite Leinwand war hinter einem Berg von zahllosen Bananenkartons versteckt oder hinter einem Berg von Bügelwäsche. Hüben wie drüben gab es jeweils eine. Ein ausgeklügeltes Alarmsystem warnte sie vor dem Herannahen Unbefugter.
Die Gemälde wurden, sobald eines fertig war, ausgetauscht. Kein Besucher, der etwas merkte. Keiner von den ganzen neureichen Proleten und keiner von dem Marktvolk. Ein kleines Problem allerdings war es, nach und nach die Häubling`schen Originale mit den zugehörigen Expertisen loszuschlagen und die entsprechenden Finanz-Transaktionen zu bewerkstelligen. Sie hatte diese Probleme aber bald gelöst, ebenso wie den lukrativen Austausch der Diamanten. Und im Anschluß daran den Erwerb der Immobilie unter dem Namen der unverheirateten Cundula Muller. Ihr Kontostand war dabei durchaus hilfreich.
Gut gemacht, Gundula.
Mehr demnächst an anderer Stelle

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